Das Erdgas wird von L- auf H-Gas umgestellt – ein Mammutprojekt für die Stadtwerke Lengerich

Noch in diesem Jahr ist es soweit: in Lengerich, Ladbergen, Lienen und Tecklenburg (ohne Leeden) wird die Gasversorgung von L- auf H-Gas umgestellt. Der Grund: Die Fördermengen in Niederlanden und Deutschland gehen zurück und alle Geräte, die bisher L-Gas beziehen, müssen Stück für Stück auf H-Gas umgestellt werden, das in Norwegen, Russland und USA gefördert wird und nach Schätzungen noch etwa 250 Jahre ausreicht.  

Grundsätzlich unterscheiden sich die Gasqualitäten in ihrem Energiegehalt, der meist als sogenannter Brennwert angegeben wird. Das L in der Bezeichnung steht dabei für „low“ (niedrig), das H im energiereicheren H-Gas steht für „high“ (hoch). Da jedes gasbetriebenes Gerät auf den Brennwert des Gases eingestellt ist, muss nunmehr eine Anpassung des Gasgerätes von L- auf H-Gas vorgenommen werden, die eine Voraussetzung für eine sichere und effiziente Nutzung ist.

Des Mammutprojekts erster Teil – die Erfassung der Gasgeräte

Zuständig für die Umstellung ist laut Energiewirtschaftsgesetz der jeweilige Netzbetreiber. In Lengerich, Ladbergen, Lienen und Tecklenburg (ohne Leeden) sind das die Stadtwerke Lengerich (SWL). Im ersten Schritt erfolgte bis Ende 2018 die Erhebung sämtlicher im Umstellungsgebiet betriebener Gasgeräte. Hierbei konnten die Techniker zur Zuordnung des Kundengerätes auf eine Datenbank von ca. 20.000 Gasgeräten zurückgreifen, die stetig erweitert und aktualisiert wurde.

Im Anschluss an die Erhebung folgte eine umfangreiche Auswertung der Daten, die Bestellung notwendiger Ersatzteile, die Ablauf- und Einsatzplanung sowie die Information an alle Kunden, deren Gerät nicht auf das H-Gas umgestellt werden kann. „Insgesamt können etwa 97% aller Geräte umgestellt werden“, freut sich Thomas Beutelspacher, Projektleiter und verantwortlich für die Erdgasumstellung bei der SWL über die insgesamt gute Umstellungsquote. Seit März 2018 hatte die SWL knapp 12.000 Geräte in ca. 10.500 Haushalten und Betrieben einzeln erfasst, katalogisiert und analysiert und von großen Blockheizkraftwerken, über Heizungsanlagen in Wohnhäusern bis hin zu Wäschetrocknern oder gasbetriebenen Espressomaschinen unzählige verschiedenartige Geräte katalogisiert. „Schöner kann man die Komplexität des Projektes eigentlich nicht beschreiben“, ergänzt Johannes Beckering, Geschäftsbereichsleiter Organisation- und Unternehmensentwicklung die Herausforderungen in diesem Projekt, „denn schließlich müssen für alle unterschiedlichen Typen, die Umstellungsmöglichkeit geprüft und bei positiver Prüfung die Ersatzteile beschafft und anschließend die Anpassung am Gerät vorgenommen werden.“ Immerhin: Gasbetriebene Kraftwagen sind nicht von der Umstellung betroffen. Hier stellt die adaptive Technik sich automatisch auf die neue Gasqualität um.

Unter den insgesamt etwa 12.000 aufgenommenen Gasgeräten finden sich 70% Heizgeräte (Heizkessel, Brennwertgeräte), 20% Wasserheizer (Umlaufwasserheizer), 3% Kochgeräte und 7% sonstige Geräte (Blockheizkraftwerke, Heizstrahler, Wäschetrockner etc.).

Etwa 3% aller erfassten Gasgeräte können u.a. wg. fehlender Zulassungen oder nicht mehr lieferbarer Ersatzteile nicht auf den Betrieb mit H-Gas angepasst werden kann. Die betroffenen Gasgeräte müssen dann entweder stillgelegt oder auf Kosten des Betreibers ausgetauscht werden. Der Austausch von Heizungsanlagen wird gefördert, die SWL bietet in Zusammenarbeit mit den regionalen Unternehmen mit dem Wärmecontracting eine attraktive Lösung an.

Des Mammutprojekts zweiter Teil – die Anpassung der Geräte

Der Zeitpunkt der technischen Anpassung ist gerätetypabhängig. Unterschieden werden Geräte, die umgestellt werden müssen, bevor H-Gas fließt, Geräte, die sich selbständig umstellen, und solche, bei denen eine Anpassung nach der Umstellung auf H-Gas vorgenommen werden kann. Auch dies wurde bei der Geräteerhebung mit erfasst und findet nunmehr bei der Einsatzplanung Berücksichtigung.

Bereits in den nächsten Wochen beginnt der von der SWL beauftragte Dienstleister, die Energie Mess- und Servicedienste GmbH (ENERMESS), mit der Anpassung der Gasgeräte. In den meisten Fällen reichen der Austausch einer Düse und die anschließende Justierung des Brenners. Die Anpassung dauert in der Regel weniger als eine Stunde pro Gerät. Nach erfolgter Anpassung brauchen die Gaskunden dann nichts weiter zu unternehmen. Die Gasgeräte laufen anschließend mit dem gleichen Wirkungsgrad und so sicher wie zuvor. Weitere Programmierungen oder Anpassungen sind nicht notwendig. Um die Qualität der vorgenommenen Anpassungen zu prüfen, erfolgt bei 10% aller angepassten Geräte eine Qualitätsprüfung durch ein weiteres externe Unternehmen, der LPR Energie GmbH.

Ein Projekt dieser Dimension ruft auch immer Trickbetrüger hervor: Um diesen vorzubeugen, erhalten die Betreiber der Gasgeräte vor jedem Besuch ausschließlich auf dem Postweg eine schriftliche Terminankündigung, in der auch eine persönliche Identifikationsnummer (PIN) mitgeteilt wird und neben dem Lichtbildausweis der Monteure als weitere Legitimation dient. Im Zweifel sollen sich die Kunden an das Erdgasbüro der SWL wenden.

Die Anpassung der Gasgeräte ist für die Kunden kostenlos, da die unmittelbaren Kosten ebenfalls vom Netzbetreiber übernommen werden und in einem weiteren Schritt auf alle Gaskunden in Deutschland umgelegt werden. Angepasst werden aber nur die Gasgeräte, die zum Zeitpunkt der Anpassung ohne Mängel sind. Die Betreiber der Gasgeräte, bei denen bei der Erhebung ein Mangel festgestellt wurde, wurden ebenfalls bereits von den Stadtwerken informiert und auf die notwendige Mängelbehebung inkl. Anzeige der Mängelbehebung hingewiesen. Erfolgt dies nicht, erfolgt im schlimmsten Fall aus Sicherheitsgründen eine Sperrung des Gasanschlusses.

Am 29. September 2020 ist es dann soweit: Das Versorgungsnetz wird auf H-Gas umgestellt. Bis dahin werden etwa 50% aller Gasgeräte angepasst sein. Die anderen 50% müssen in den 8 Wochen nach der Umstellung angepasst werden. Der Zeitrahmen für Teil 2 des Mammutprojekts ist also eng gesteckt.

Die SWL weist außerdem darauf hin, dass im Zeitraum der Umstellung, um den 29.09.2020, eine gesonderte Ablesung des Gaszählers erfolgt. Die turnusmäßige Ablesung zum Jahreswechsel 2020/21 bleibt davon unberührt.

Man kann erahnen, welche Ausmaße dieses Projekt in Theorie wie auch in der Umsetzung annimmt, mit dem sich die SWL bereits viele Monate lang beschäftigt. Johannes Beckering, ist allerdings zuversichtlich, dass alles gelingt: „Ein Projekt dieser Größenordnung ist für ein Stadtwerk unserer Größe schon eine Herausforderung. Hier sind wir auch auf das Verständnis und die Unterstützung unserer Kunden angewiesen, denn natürlich kann bei einer Anpassung von ca. 12.000 Geräten in ca. 10.500 Haushalten und Betrieben nicht immer alles zu 100% reibungslos ablaufen. Wir sind gut vorbereitet und daher optimistisch, dass die Anpassung für alle Seiten gut verläuft.“

Für weitere Fragen können sich die Kunden der SWL unter 05481 8005 44444 oder per E-Mail an erdgasumstellung@swl-unser-stadtwerk.de wenden. Auch auf der eigens dafür eingerichteten Website www.swl-erdgasumstellung.de finden sich viele Informationen rund um die Anpassung von L- auf H-Gas.