Von der Gasanstalt zu Lengerich zum regionalen Versorger im Tecklenburger Land und Osnabrücker Land: Die Entwicklung der Stadtwerke Lengerich
1901–1914: Beginn der Gasversorgung und Straßenbeleuchtung
Die Geschichte der heutigen Stadtwerke Lengerich beginnt im Jahr 1901 mit der Gründung der „Gasanstalt zu Lengerich“. Mit der Produktion von Kohlegas wurde die Grundlage für eine moderne Energieversorgung in Lengerich geschaffen. Für die Bevölkerung bedeutete dies einen erheblichen Fortschritt: Gas ersetzte zunehmend Kohle und Brennholz zum Kochen, während die Verbreitung von Leuchtgas in vielen Haushalten die Ära der Petroleumlampen beendete.
Zum Start versorgte die Gasanstalt 145 Kunden und betrieb 60 Straßenlaternen. Bereits innerhalb eines Jahrzehnts verdoppelte sich die Zahl der angeschlossenen Haushalte, während die Straßenbeleuchtung auf 100 Laternen ausgebaut wurde.
1915–1960: Stromversorgung ergänzt das Angebot
Mit dem Anschluss Lengerichs an das Stromnetz des damaligen Energieversorgers NIKE im Jahr 1915 begann ein neues Kapitel der Energieversorgung. Zunächst wurde ausschließlich die damalige Provinzial-Heilanstalt, die heutigen Westfälischen Kliniken, mit Strom beliefert. Aufgrund der steigenden Nachfrage wurde das Stromnetz bereits wenige Jahre später auf die Innenstadt von Lengerich ausgeweitet.
1923 erfolgte mit der Übernahme des Stromnetzes durch die Gasanstalt die Gründung des „Städtischen Gas- und Elektrizitätswerks Lengerich“. Das Unternehmen entwickelte sich kontinuierlich weiter: Aus anfangs fünf Beschäftigten in Verwaltung und Produktion wurden bis 1960 insgesamt 33 Mitarbeiter.
1960–1976: Umstellung auf Erdgas und Beginn der Regionalisierung
Im Jahr 1960 erhielt das Unternehmen den Namen „Stadtwerke Lengerich“.
In den 1960er- und 1970er-Jahren vollzogen die Stadtwerke den Wandel von der Kohlevergasung hin zur Versorgung mit Erdgas. Die Umstellung auf den neuen Energieträger markierte zugleich den Beginn einer regionalen Erweiterung des Versorgungsgebietes. Durch den Aufbau neuer Erdgasnetze in Tecklenburg, Ladbergen, Hasbergen, Lienen und Hagen a. T.W. wurden auch die Nachbargemeinden mit Erdgasnetzen erschlossen. Damit entstanden erste interkommunale Strukturen, die den Versorgungsauftrag über die Grenzen Lengerichs hinaus ausweiteten. 1969 wurde am heutigen Standort „An der Mühlenbreede“ das erste Kundencenter eröffnet.
1977–1996: Entwicklung zum interkommunalen Stadtwerk
Seit 1977 firmiert das Unternehmen als Stadtwerke Lengerich GmbH (SWL). In den folgenden Jahren entwickelte sich die SWL durch den gezielten Ausbau der Erdgasversorgung in den umliegenden Kommunen zu einem erfolgreichen interkommunalen Versorgungsunternehmen. Im Zuge der Konzessionsvergaben der Erdgasversorgung übernehmen die Städte und Gemeinden Tecklenburg, Ladbergen, Lienen, Hasbergen und Hagen a.T.W. jeweils 6,7 % der Gesellschaftsanteile an der Stadtwerke Lengerich GmbH und so wird die SWL ein interkommunales Stadtwerk im Tecklenburger Land und Osnabrücker Land.
1997–2017: Ausbau der Stromversorgung und neue Geschäftsfelder
Ab 1997 erweitern die Stadtwerke ihr Versorgungsgebiet auch in der Stromversorgung.
Schrittweise geben weitere Kommunen ihre Konzessionen an die SWL und werden in die Stromversorgung integriert. Seit dem Jahr 2000 gehört Tecklenburg zum Versorgungsgebiet, seit 2002 auch Ladbergen. Zu diesem Zeitpunkt versorgte die SWL mit rund 77 Mitarbeitern etwa 28.000 Haushalte mit Energie und energienahen Dienstleistungen.
Ein weiterer Meilenstein ist die Gründung der Bäder und Wasser GmbH (BWG) im Jahr 2003. Lengerich, Lienen, Tecklenburg und Hagen a.T.W. bündeln den Betrieb von insgesamt sieben Hallen- und Freibädern in den Stadtwerken und gehen so einen wesentlichen Schritt, um den Betrieb der Bäder auch weiterhin finanzierbar zu machen. sämtliche Arbeitsplätze in den einzelnen Bädern erhalten werden.
Die vier Gesellschafter legen in diesem Zuge ihre Anteile an der SWL in die BWG ein. Die BWG ist seitdem die Konzernmutter der Stadtwerke-Unternehmensgruppe.
2006 wird gemeinsam mit der Gemeinde Saerbeck die Tochtergesellschaft Saerbecker Ver- und Entsorgungsgesellschaft (SaerVE) gegründet, die seit 2012 das Stromnetz in Saerbeck hält. Der Stromnetzbetrieb erfolgt seitdem durch die SWL.
Seit 2012 umfasst das Strom- und Gasversorgungsgebiet der SWL damit die Städte und Gemeinden Hagen, Hasbergen, Ladbergen, Lengerich, Lienen, Saerbeck und Tecklenburg.
Die SWL baut in den Jahren 2007-2017 die Kooperation mit anderen Stadtwerken aus und beteiligt sich an Gemeinschaftsprojekten des Stadtwerke-Verbundes Trianel. Damit wird die eigene Stromerzeugung konventionell und regenerativ ausgebaut und die Gasversorgung durch eigene Speicherkapazitäten abgesichert. SWL ist heute an 39 Wind- und PV-Parks in Deutschland beteiligt, unter anderem auch an den Offshore- Windparks vor der Nordseeinsel Borkum, ist Mitgesellschafter am Kohlekraftwerk in Lünen und dem Gaskraftwerk in Hamm-Uentrop und nutzt eigene Speicherkapazitäten im Gaskavernenspeicher in Gronau-Epe.
Mit der Gründung der Telekommunikationstochter teutel GmbH im Jahr 2014 erschloss die SWL ein weiteres zukunftsorientiertes Geschäftsfeld. In den Kommunen Ladbergen, Lengerich, Lienen und Tecklenburg begann der Ausbau von Breitbandnetzen, um im Tecklenburger Land allen Bürgerinnen, Bürgern und Gewerbebetrieben den Zugang zum schnellen Internet möglich zu machen.
2018–2026: Glasfaserausbau, Expansion der Stromversorgung und Gestalter der Energiewende
Zwischen 2018 und 2026 bauen die Stadtwerke Lengerich ihre Rolle als regionaler Infrastruktur- und Energiedienstleister deutlich aus. Im Mittelpunkt steht insbesondere der flächendeckende Ausbau von Glasfasernetzen und das Angebot von schnellen Internetprodukten durch die Tochtergesellschaft teutel GmbH. Die Kommunen Lengerich, Lienen, Ladbergen und Tecklenburg werden zu modernen Glasfaserkommunen entwickelt und zählen zu den ersten Kommunen in Deutschland, die über eine 100 %-Glasfaserabdeckung verfügen. Über geförderte Projekte werden auch alle ländlichen Außenbereiche an das Glasfasernetz angeschlossen.
Parallel dazu erweitern die Stadtwerke ihr Engagement in der Stromversorgung. Zum 1. Januar 2024 übernimmt die SWL das Stromnetz in der Gemeinde Hasbergen von der Energiegenossenschaft Hasbergen und steigt auch in der Hüggelgemeinde in den Stromvertrieb ein. Seit dem 1. Januar 2025 stellt die SWL auch in Hasbergen die gesetzliche Grundversorgung mit Strom sicher.
Ein weiterer wichtiger Schritt erfolgt zum 1. Januar 2026 mit der Übernahme des Stromnetzbetriebs in der Gemeinde Lienen. Nachdem die Stadtwerke das Stromnetz bereits 2019 erworben hatten, liegt die öffentliche Energieversorgung der Gemeinde nun vollständig in den Händen der SWL. Im Zuge der Stromnetzübernahme wird die Stromversorgung in Lienen umstrukturiert und mit dem Bau eines neuen Umspannwerks auf die zukünftigen Anforderungen ausgerichtet.
In 2025 wird das erste regenerative Wärmenetz im Baugebiet Hanfteichweg in Saerbeck durch die SWL errichtet und in Betrieb genommen. Die Stromnetze in allen Kommunen werden auf die den Bau und Anschluss von neuen Umspannwerken in Greven-Reckenfeld und Lienen auf die zukünftigen Anforderungen der Energiewende ausgerichtet und damit den Anschluss von PV- Anlagen, Wärmepumpen und Wallboxen für jeden Haushalt und Gewerbebetrieb zu ermöglichen.
Vom lokalen Gaswerk zum Infrastrukturpartner und Gestalter der Energiewende in sieben Städten und Gemeinden
Aus der 1901 gegründeten Gasanstalt zu Lengerich hat sich innerhalb von 125 Jahren ein regionaler Energie- und Telekommunikationsversorger im Tecklenburger Land und Osnabrücker Land entwickelt. Heute stehen die Stadtwerke Lengerich nicht nur für die sichere Versorgung mit Strom und Gas, sondern auch für Glasfaserkommunikation, Bäderwesen und nehmen zukünftig eine wichtige Rolle in Lengerich, Tecklenburg, Ladbergen, Lienen, Hagen a.T.W., Hasbergen und Saerbeck zur Umsetzung der Energiewende ein. Dafür setzen sich heute über 170 Mitarbeitende täglich ein.






